Hinter dem Etikett „Begleitung“ oder „Coaching“ für Väter in familienrechtlichen Konflikten verbergen sich mitunter Angebote, die weniger der individuellen Unterstützung dienen als der Durchsetzung persönlicher Überzeugungen, wirtschaftlicher Interessen oder ideologischer Agenden. Oft geschieht das auf Kosten des betroffenen Elternteils – und des Kindes.
Insbesondere in einem bestimmten Milieu finden sich selbst ernannte „Väterberater“, die sich gezielt an Männer in hochstrittigen Trennungs- und Sorgerechtsverfahren wenden. Der Ansatz ist selten lösungsorientiert oder auf Deeskalation ausgerichtet. Vielmehr wird ein konfrontatives Weltbild vermittelt, in dem Institutionen wie Jugendamt, Familiengericht oder Kinderschutzsystem pauschal als Teil eines angeblich „mütterzentrierten Systems“ dargestellt werden. Mütter werden dabei in abwertender Sprache auf stereotype Rollen reduziert – etwa als „Kindesbesitzerinnen“ –, was jede Möglichkeit eines differenzierten Dialogs im Keim erstickt.
In den einschlägigen Onlineforen und Kommentaren einiger dieser Akteure ist diese Haltung deutlich zu erkennen. Dort ist regelmäßig von angeblich „toxischen“ Müttern die Rede, die man sinnbildlich „kosten lassen“ müsse, was sie anderen „eingebrockt“ hätten – versehen mit drastischen, hasserfüllten Formulierungen, die tief blicken lassen. Wer solche Texte liest, erkennt schnell, dass es hier nicht um Kindeswohl oder konstruktive Unterstützung geht, sondern um Abwertung, Generalverdacht und eine moralische Umkehr, bei der eigene Erfahrungen zur universellen Wahrheit erklärt werden.
Diese Kommunikationsstrategie folgt einem bekannten Muster: Ratsuchende werden „aufgeweckt“, „aus der Naivität geholt“, allerdings auf der Grundlage eines einseitig interpretierten und stark verzerrten Realitätsbildes. Ziel ist es, die eigene Betroffenheit in kämpferisches Verhalten umzuwandeln – begleitet von simplifizierten Kernbotschaften und klaren Feindbildern. Rechtliche, psychologische oder soziale Zusammenhänge werden auf Schwarz-Weiß-Erzählungen reduziert.
Besonders irritierend ist, wie diese Beratungssituationen auch finanziell abgewickelt werden. Es kommt regelmäßig vor, dass Zahlungen in bar und ohne Quittung erfolgen – etwa in Form sogenannter „Wertschätzungen“, die in diskreten Umschlägen übergeben werden, bevorzugt außerhalb öffentlicher Aufmerksamkeit, etwa kurz vor Gerichtsterminen in einer Nebenstraße. Verträge existieren nicht, Transparenz fehlt – mit dem Risiko, dass Ratsuchende nicht nur juristisch, sondern auch steuerlich in problematische Grauzonen geraten.
Hinzu kommen Strukturen, die sich als ehrenamtlich oder unabhängig darstellen, tatsächlich aber teils erhebliche Monatsbeiträge verlangen – mitunter mehrere Hundert Euro. Auch hier dominiert ein vorgegebener Kurs über individuelle Begleitung. Fachliche Qualifikation wird durch selbstverliehene Titel ersetzt, etwa durch den Verweis auf angebliche Funktionen als „Ombudsperson“, die weder formal bestellt noch nachprüfbar legitimiert sind. Ganze Gruppen werden mit erfundenen Bezeichnungen versehen, die einen offiziellen Anschein erwecken sollen – ein sprachliches Spiel mit Autorität, das mehr mit Marketing als mit Fachlichkeit zu tun hat.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie selten echte, individuelle Begleitung ist. In all der Zeit ist mir nur eine Person begegnet, bei der ich den Eindruck hatte, dass es wirklich um Unterstützung geht – nicht um Einflussnahme. Jemand, der nicht eigene Wahrheiten verkauft, sondern zuhört, hinterfragt, stärkt – und dabei anerkennt, dass es keine pauschalen Antworten gibt. Genau das macht den Unterschied: eine Haltung, die dem Menschen dient, nicht der eigenen Agenda. Eine Begleitung, die nicht spaltet, sondern verbindet. Und ein Verständnis von Verantwortung, das das Kindeswohl nicht nur behauptet, sondern ernst nimmt.
