
Es gibt Begegnungen, die bleiben. Eine davon ist der Austausch mit einem Menschen, der im Familienrecht nach einer Trennung schon so vieles erlebt und gesehen hat, dass er fast zwangsläufig auch eine gewisse Schwere mit sich trägt. Wer so lange durch Verfahren, Geschichten und Schicksale gegangen ist, könnte leicht in einem pessimistischen Blick auf die Dinge hängen bleiben. Doch gerade das hat mich überrascht: Trotz allem schafft er es, immer wieder über den Tellerrand hinauszuschauen.
Ich habe erlebt, wie er zuhört, wie er Geschichten aufnimmt, ohne sich in ihnen zu verlieren, und wie er Betroffene auf ihrem Weg begleitet – nicht mit falschen Versprechungen, sondern mit einem ehrlichen Spiegel. Dieser ehrliche Blick kann schmerzhaft sein, aber er hat nichts mit Arroganz zu tun. Im Gegenteil: ich habe gesehen, wie er Kritik annimmt, wie er Fehler eingesteht und wie er sich immer wieder hinterfragt.
Natürlich gehe ich nicht mit allem konform, was er sagt oder wie er die Dinge einschätzt. Aber genau das macht den Austausch so wertvoll: ich nehme die Weiterentwicklung dieser Person wahr. Sie ist nicht stehen geblieben, sondern verändert sich, lernt dazu, justiert immer wieder nach.
Es irritiert mich deshalb, wenn andere ihn als arrogant oder erhaben bezeichnen. Für mich wirkt er weder überhöht noch abgehoben – eher geerdet. Er trägt die Spuren vieler Kämpfe und Begegnungen, und trotzdem bewahrt er sich eine Offenheit, die Mut macht. Für mich ist es wertvoll, dass jemand, der so viel Belastendes kennt, eben nicht in einem puren Pessimismus verharrt, sondern andere dabei unterstützt, ihren eigenen Weg zu finden.
Manchmal braucht es genau solche Menschen: erfahren, klar, mitunter kritisch – und doch fähig, sich selbst und die eigene Haltung immer wieder neu zu prüfen.
Sie stärkt das Vertrauen, den eigenen Weg zu finden, statt sich in den Wegen anderer zu verlieren.
