Samstag, Mai 23

DADKID & PARAGRAFEN

Der siebte Tag, an dem der Kalender explodiert
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Der siebte Tag, an dem der Kalender explodiert

Es gibt Argumente, die wirken stabil – solange man sie nicht belastet. So wie ein Klapptisch aus dem Baumarkt. Steht wunderbar. Aber bitte nichts draufstellen, nichts anlehnen, und vor allem keine Verantwortung. Eines dieser Argumente lautet: „Das 8:6-Modell funktioniert, aber für ein 7:7-Modell ist die Kommunikation zu schlecht.“ Denn wenn man kurz innehält – wirklich nur kurz –, merkt man: Dieser Satz behauptet nicht, dass Kommunikation fehlt. Er behauptet, dass sie selektiv versagt, und zwar exakt dort, wo Gleichwertigkeit beginnt. Ein Toaster ist kein empathisches Gerät. Er fragt nicht, wie dein Morgen war. Er will nur wissen: Brot drin? Hebel runter? Strom da? Und solange diese drei Informationen vorliegen, macht er exakt das, was er soll. Niemand sagt: „Toasten geht nur, wenn w...
Was sich gut anfühlt, ist nicht immer hilfreich
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Was sich gut anfühlt, ist nicht immer hilfreich

Viele Menschen suchen in belastenden Situationen Unterstützung. Trennung, Sorge um die Kinder, Konflikte mit Institutionen oder das Gefühl, nicht gehört zu werden, führen dazu, dass man sich an Berater, Coaches, Mediatoren oder sogenannte Begleiter wendet. Manche dieser Angebote sind hilfreich. Andere verstärken unbemerkt Frust, Ängste und Feindbilder. Das Schwierige daran ist nicht, dass Betroffene unkritisch wären, sondern dass diese Prozesse in Phasen stattfinden, in denen Menschen besonders verletzlich sind. Wer Orientierung sucht, ist empfänglich für Erklärungen, die sich stimmig anfühlen und Halt versprechen. Lange Zeit bin ich selbst den Weg gegangen, problematische Personen auch als solche zu benennen. Ich habe Namen genannt, Rollen beschrieben und konkrete Beispiele angeführt. ...
„Gefährlich für den Geldbeutel“ – Warum ich kein Freund des Geschäfts mit der Eltern-Kind-Entfremdung bin
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„Gefährlich für den Geldbeutel“ – Warum ich kein Freund des Geschäfts mit der Eltern-Kind-Entfremdung bin

In den letzten Monaten liest und hört man in Vätergruppen, auf Social Media und in einschlägigen Netzwerken immer wieder die Schlagzeile, Dänemark habe ein Gesetz gegen Eltern-Kind-Entfremdung eingeführt. Das klingt erst mal nach einem Paukenschlag – fast so, als hätte ein europäisches Land endlich das Zaubermittel gefunden, um Kontaktabbrüche, Manipulation und Loyalitätskonflikte nach Trennung zu verhindern. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Diese Reform ist interessant, ja. Aber sie ist keineswegs das, wozu sie manche Akteure hochstilisieren. Die dänische Reform zielt in erster Linie darauf ab, familiengerichtliche Verfahren zu beschleunigen und klare Konsequenzen bei erwiesenem Boykott einzuführen. Verfahren sollen schneller abgeschlossen werden, damit Kinder nicht monatel...
Zwischen Erfahrung und Hoffnung
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Zwischen Erfahrung und Hoffnung

Es gibt Begegnungen, die bleiben. Eine davon ist der Austausch mit einem Menschen, der im Familienrecht nach einer Trennung schon so vieles erlebt und gesehen hat, dass er fast zwangsläufig auch eine gewisse Schwere mit sich trägt. Wer so lange durch Verfahren, Geschichten und Schicksale gegangen ist, könnte leicht in einem pessimistischen Blick auf die Dinge hängen bleiben. Doch gerade das hat mich überrascht: Trotz allem schafft er es, immer wieder über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich habe erlebt, wie er zuhört, wie er Geschichten aufnimmt, ohne sich in ihnen zu verlieren, und wie er Betroffene auf ihrem Weg begleitet – nicht mit falschen Versprechungen, sondern mit einem ehrlichen Spiegel. Dieser ehrliche Blick kann schmerzhaft sein, aber er hat nichts mit Arroganz zu tun. Im Geg...
Wenn Austausch stärkt: Worauf es in der Selbsthilfe nach der Trennung ankommt
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Wenn Austausch stärkt: Worauf es in der Selbsthilfe nach der Trennung ankommt

Selbsthilfe im Trennungskontext hat eine besondere Bedeutung. Für Väter wie Mütter ist eine Trennung meist nicht nur ein rechtliches Verfahren, sondern eine tiefe persönliche Erschütterung. Man steht plötzlich vor emotionalen, finanziellen und organisatorischen Herausforderungen – und gleichzeitig geht es immer um das Wohl der Kinder. In dieser Lage suchen viele den Austausch mit anderen, die Ähnliches erlebt haben, um Verständnis, Orientierung und ein Stück Stabilität zu finden. Gerade hier kann Selbsthilfe ein wertvoller Anker sein: Sie schafft Raum, Gefühle zu teilen, sich zu entlasten und Erfahrungen auszutauschen. Doch ebenso wichtig ist es, diesen Raum vor schädlicher Dynamik zu schützen. Denn wenn Selbsthilfegruppen von Frust oder pauschalen Warnungen dominiert werden, verwandelt...
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Rhetorik, Rivalität, Realitätsverzerrung: Die Taktik einiger Väter-Coaches

Hinter dem Etikett „Begleitung“ oder „Coaching“ für Väter in familienrechtlichen Konflikten verbergen sich mitunter Angebote, die weniger der individuellen Unterstützung dienen als der Durchsetzung persönlicher Überzeugungen, wirtschaftlicher Interessen oder ideologischer Agenden. Oft geschieht das auf Kosten des betroffenen Elternteils – und des Kindes. Insbesondere in einem bestimmten Milieu finden sich selbst ernannte „Väterberater“, die sich gezielt an Männer in hochstrittigen Trennungs- und Sorgerechtsverfahren wenden. Der Ansatz ist selten lösungsorientiert oder auf Deeskalation ausgerichtet. Vielmehr wird ein konfrontatives Weltbild vermittelt, in dem Institutionen wie Jugendamt, Familiengericht oder Kinderschutzsystem pauschal als Teil eines angeblich „mütterzentrierten Systems“...
Die stille Selbstverständlichkeit eines Vaters
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Die stille Selbstverständlichkeit eines Vaters

Ich habe einen Vater kennengelernt, dessen Vaterschaft anders aussieht, als man sie sich normalerweise vorstellt. Sein Kind sieht er nicht. Den Kontakt hält er über Messenger, mit kleinen Nachrichten, Emojis, Fotos, Videocalls und Telefonaten. Das, was für andere selbstverständlich ist – das Kind in den Arm zu nehmen, ein Gute-Nacht-Ritual, gemeinsame Mahlzeiten – bleibt ihm verwehrt. Und trotzdem bleibt er Vater. Jeden Tag, immer wieder. Ich weiß nicht, woher er die Kraft nimmt. Vielleicht aus der Hoffnung, vielleicht aus seiner Liebe, vielleicht einfach, weil er nicht anders kann. Ich weiß nur: Ich selbst wüsste nicht, ob ich diese Stärke hätte. Für mich würde es bedeuten, jeden Tag die Verletzungen, den Missbrauch und die Gewalt, die ich selbst in einer Beziehung erlebt habe, erneut ...
„Ins Boot holen“
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„Ins Boot holen“

"Ins Boot holen" - Die Realität? Eher wie eine schlecht organisierte Kanutour: Der eine rudert stromaufwärts, die andere stromabwärts, das Jugendamt verteilt Rettungswesten mit Löchern, die Psychologen diskutieren über die Farbe der Paddel, und das Gericht notiert pflichtbewusst, dass „die Eltern sich offenbar uneinig sind“.„Alle ins Boot holen“ heißt übersetzt: Wir müssen so lange über Sitzordnung, Rudertechnik und Bootstyp streiten, bis niemand mehr Lust hat, überhaupt loszufahren. In Wahrheit geht es nicht ums Rudern, sondern um Macht: Wer darf vorn sitzen? Wer bestimmt die Richtung? Und wer springt am Ende über Bord, damit das Boot überhaupt noch schwimmt?Die Theorie vom „gemeinsamen Boot“ scheitert spätestens daran, dass es gar kein Boot gibt. Es gibt zwei Eltern, die sich vielleicht ...